Warum heißen Blind Dates eigentlich Blind Dates? Ist das wirklich darauf zurückzuführen, dass man jemanden trifft, den man noch nie gesehen hat? Ich glaube mittlerweile eher, dass der Ausdruck vom „blind werden“ kommt. Denn das hätte mir bei meinen letzten Blind Dates gut passieren können.
Vor einigen Wochen hatte ich eine Anzeige aufgegeben in der örtlichen Wochenzeitung und wartete mit Spannung die Reaktionen ab. Tatsächlich meldeten sich zahlreiche Interessenten per Telefon, einige davon hörten sich auch zunächst sehr sympathisch an. Mit drei Männern beschloss ich mich zu treffen. Doch nicht auf alle Dinge scheint der Spruch „aller guten Dinge sind drei“ zuzutreffen. Es war ein Albtraum! Der erste hatte mit seinem Alter geschwindelt und war gute 20 Jahre älter als ich, etwa doppelt so dick und hatte zwei große, sabbernde Hunde dabei, denen er mehr Aufmerksamkeit widmete als mir. Nummer Zwei war schlank, trug allerdings Klamotten aus den 80-er Jahren und schien seitdem auch keine Frau mehr gehabt zu haben. Jedenfalls hat zwar nicht viel geredet (nur auf Nachfragen), mir dafür aber ständig in den Ausschnitt gestarrt. Der dritte Kandidat war ein absoluter Macho, der gleich mal die Rollenverteilung klarmachen wollte und offen sagte, dass er sich eine Frau wünsche, die gut kochen und putzen kann und ihm seine Freiheiten lässt.
Ich bin mir sicher, ich werde nicht noch einmal ein Blind Date arrangieren! Man kann ja schlecht sofort wieder rückwärts zur Tür herauslaufen, wenn das Gegenüber abschreckend wirkt. Höflicherweise bleibt man ja sitzen und lässt langes egomanisches Gerede über den erfolgreichen Job und den tollen Porsche über sich ergehen, ebenso wie unangenehme Schweigeminuten, weil man sich nichts zu sagen hat oder sabbernde Hunde, die ihre Haare an meinem Rock hängen lassen.
Meine Freundin hat mich jetzt bei einer Singlebörse im Internet angemeldet. Hier besteht der Vorteil, dass man sich zunächst einmal langsam kennenlernen kann – man schreibt sich Nachrichten, tauscht Bilder aus und chattet miteinander. So können die ersten Schritte ganz unverbindlich erfolgen – hat jemand kein Interesse mehr, so kann er einfach aufhören zu schreiben. Besteht Interesse, telefoniert man mal und kann irgendwann, wenn man sich sicher ist, ein Treffen vereinbaren. Diesen Weg finde ich wesentlich besser. Natürlich gibt es auch auf Singleportalen Leute, die einem unsympathisch sind. Aber die kann man auf die persönliche „schwarzen Liste“ setzen, sodass sie einen nicht mehr anschreiben können. Die meisten Singles haben auch Bilder und ein ausführliches Profil eingestellt, sodass man sich ein gutes Bild machen kann und nicht blind in eine Falle läuft. Ich habe mittlerweile schon einige nette Männer kennen gelernt und bin gespannt, was das nächste – nicht mehr ganz so blinde – Blind Date, bringen wird.
